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Bundesköniginnentag 1995

   

Bundesköniginnentag 1995

Bundesköniginnentag in Büttgen am 20. und 21. Mai 1995

 

Der Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften feiert in einem Jahr drei große Feste: das Bundesfest, den Bundesjungschützentag und den Bundesköniginnentag. Beim Bundesköniginnentag stehen die Frauen im Mittelpunkt, denn der Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften versteht sich nicht nur als ein reiner Männerbund.

 

Aufgrund des 575jährigen Jubiläums zum Bestehen der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen wurde ihr vom Bund das Angebot zur Ausrichtung des Bundesköniginnentages 1990 offeriert. Doch die Büttger Sebastianer lehnten, aufgrund einer Bitte der Stadtverwaltung Kaarst wegen der zu erwartenden Bauarbeiten in der Büttger Ortsmitte, ab. Bei der Eröffnung der Jubiläumsfeiern im Januar 1990 wurde vom Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften das Angebot an Büttgen, die örtliche Vorbereitung und Ausrichtung des 40. Bundesköniginnentages 1995 zu übernehmen, erneut herangetragen. Diesmal nahm die Bruderschaft an. Dieser Bundesköniginnentag wurde das dritte Bundesfest nach 1955 und 1980 des Bezirksverbandes Neuss.

 

Schon Jahre im voraus wurde auf diesen Tag hingearbeitet, da hier ehrenamtlich viele Dinge zusätzlich zum alltäglichen Bruderschaftsleben zu regeln waren. Man rechnete mit mehreren tausend Schützen und Besuchern, die alle verköstigt, gelenkt werden und einen schönen, Erinnerung behaltenden Tag haben sollten. Es wurde eine Lenkungsgruppe, die die einzelnen Aktivitäten der sieben Arbeitskreise zusammenfasste, koordinierte, Arbeiten vergab und Beschlüsse, soweit sie notwendig waren, fasste, ins Leben gerufen. Des weiteren  wurden folgende Arbeitskreise installiert und mit den entsprechenden Aufgaben versehen:

- Arbeitskreis Finanzen

- Arbeitskreis Verkehrslenkung

- Arbeitskreis Gestaltung

- Arbeitskreis Werbung

- Arbeitskreis Presse

- Arbeitskreis Protokoll

- Arbeitskreis Umzug / Musik.

Jedem Arbeitskreis stand ein Leiter vor, der die Lenkungsgruppe vom jeweiligen Stand der Vorbereitungen in Kenntnis setzte.

 

Als ein äußeres Zeichen der Verbundenheit mit dem bzw. als ein kleines Andenken an den Bundesköniginnentag brachte die Bruderschaft Büttgen ein Festabzeichen heraus. In einem ovalen Rund ist die St. Aldegundis-Pfarrkirche und das Radsportleistungszentrum Nordrhein-Westfalen zu sehen. Davor ist der Bruderschaftspatron St. Sebastianus und der in Büttgen geborene Reitergeneral des Dreißigjährigen Krieges, Jan van Werth, dargestellt. In dieser Ausführung wurden auch Fahnennägel angefertigt. Aufgrund einer guten Werbestrategie konnten 3.500 Festabzeichen verkauft werden.

 

In die Vorbereitungen einbezogen war auch der Vorstand des Bezirksverbandes Neuss. Die Zusammenarbeit klappte vorzüglich, dies insbesondere bei der Mittlerrolle zwischen Bund und Bruderschaft. Als Helmut Haas seine ehrenamtliche Tätigkeit als Erster Brudermeister nach 27 Jahren 1996 beendete, schrieb er an Bundesmeister Walter Wimmer:

„Zu meinem Rückblick auf meine Tätigkeit gehört auch die gute und dankbare Erinnerung an die regelmäßige Zusammenarbeit mit den anderen Ebenen des historischen Schützenwesens, insbesondere mit dem Bezirksverband. Die Zusammenarbeit war stets von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Immer hat Verständigung für die Sichtweise der jeweiligen anderen Seite bestanden. Im Verhältnis zum Bezirksverband erscheint mir dabei die Vorbereitung und Organisation des 40. Bundesköniginnentages im Mai 1995 besonders erwähnenswert. Ich möchte nicht versäumen, hierfür und ganz besonders  für das gute menschliche Miteinander aller Beteiligten sehr herzlich zu danken.“

 

Nach Monaten und Wochen der Vorbereitung hatten die Büttgener Sebastianer den Bundesköniginnentag als ein großes Familienfest auf die Beine gestellt. Am Samstag, dem 20. Mai 1995 begann Punkt 18.00 Uhr in Büttgen das langersehnte Fest: Der 40. Bundesköniginnentag.

 

An diesem ersten Festtag gab die Stadt Kaarst im Rathaus Büttgen einen Empfang zu Ehren der Bundeskönigin Renate Oehmann und des Präsidiums des Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaften. Bürgermeister Heinz Klever wollte in seiner Ansprache den Bundesköniginnentag auch verstanden wissen „als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für alles das, was Frauen mit Phantasie, Ausdauer, Sachkenntnis und Einsatzbereitschaft zu leisten imstande sind.“ Der Hochmeister Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein lobte die große Einsatzbereitschaft der Büttgener Schützen und begrüßte dann die Schirmherrin des Bundesköniginnentages 1995, Frau Ilga Thywissen aus Neuss, die mit ihrem Mann nach Büttgen gekommen war. Weitere Grußworte folgten vor einem großen Publikum. Während des Festaktes fand zum gleichen Zeitpunkt auf dem Rathausplatz ein Platzkonzert zu Ehren der schon angereisten Schützen statt, das mit dem Großen Zapfenstreich zu Ehren des Bundeskönigspaares endete. Auch der einsetzende Regen konnte die Stimmung nicht trüben. Im Anschluss daran folgte das Geleit der Ehrengäste zum Festzelt der Bruderschaft, denn auf dem Programm stand nun der gemütliche Teil des ersten Festtages: ein Rheinischer Abend. Das Festzelt war bis auf die letzten Plätze besetzt, so dass man den immer wieder neu hereinströmenden Gästen eine Absage erteile musste. Der Rheinische Abend bestand aus einem bunten Programm, das im wesentlichen von örtlichen Mitwirkenden gestaltet wurde.  So spielte die über die Bezirksgrenzen hinaus bekannte Mundart-Theatergruppe „Nüsser Schnute“ einen Einakter aus dem Schützenleben eines Schützenkönigs. Für Stimmung sorgten auch Heilgard Bierwirth und Franz-Josef Maaßen, die Tanz- und Showgruppe Kaarst-Büttgen, das Akkordeon-Orchester Büttgen-Korschenbroich sowie die Fidelen Musikanten vom St. Nikolaus Kloster, die nicht nur den musikalischen Rahmen bildeten.

 

Der zweite Festtag, der eigentliche 40. Bundesköniginnentag, begann mit einem Festgottesdienst im Radsportleistungszentrum Nordrhein-Westfalen, dem heutigen Sportforum. Für alle anwesenden Königspaare waren besondere Sitzplätze im Innenraum der Radrennbahn, für die Fahnenabordnungen im Bereich oberhalb der Fahrstrecke vorgesehen. Beim Gottesdienst hatten alle Besucher einen Sitzplatz. Der Gottesdienst wurde zum ersten Male nicht von einer Musikkapelle, sondern vom Jugendchor der Pfarrgemeinde St. Aldegundis Büttgen unter Leitung des Schützenbruders Oswald Schmitz musikalisch gestaltet. Diese Neuerung fand bei allen Zuhörern Zustimmung, was man am Schluss des Gottesdienstes auch am Beifall erkennen konnte. Zu Beginn der Messe hielt die Schirmherrin Ilga Thywissen eine hervorragende und viel beachtete Rede. Die engagierte Schirmherrin, die den Verein Lebensschutz gegründet hat, sprach über die Hilfe für Menschen in besonders schwierigen Lebenssituationen. Viele Anregungen in ihrer Rede sollten auch für die Bruderschaften wegweisend sein. Aus diesem Grunde war auch die Kollekte des Bundesköniginnentages für den Verein Lebensschutz Neuss bestimmt und so konnte ein Erlös von 5.200 DM an den Verein übergeben werden. Hauptzelebrant war der Abt von der Benediktinerabtei auf dem Michaelsberg in Siegburg, Dr. Placidus Mittler. Auch er ging in seiner Predigt auf den Bundesköniginnentag ein, da er die Königin von Saba, die auf Jesus Christus hin orientiert gewesen sei, als ein Vorbild mit den heutigen Schützenköniginnen verglich.

 

Nach dem Gottesdienst versammelte man sich vor dem Radsportleistungszemtrum, um am Festumzug durch Büttgen teilzunehmen. Der etwa drei Kilometer lange Festzug führte durch historische Dorfstraßen, Neubaugebiete und den sanierten Ortskern Büttgens. Vom Straßenrand brandete immer wieder Beifall für die Marschierenden auf. Viele im Bezirk Neuss unbekannte Uniformen konnten vom staunenden Publikum betrachtet und beklatscht werden. Der Vorbeimarsch zu Ehren der Bundeskönigin und der Ehrengäste erfolgte auf dem Robert-Grootens-Platz in der Ortsmitte. Der Umzug endete am Festzelt.  Dort fand als Ausklang ein musikalischer Frühschoppen der Büttger Bruderschaft statt.

 

Schon am Nachmittag des 21. Mai 1995 konnte der Brudermeister der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen Helmut Haas eine erste positive Bilanz ziehen, denn nicht nur das gute Wetter, sondern auch die Werbung für den Ort Büttgen hat dazu geführt, dass nach Zeitungsberichten ca. 6.000 Schützen an diesem Bundesköniginnentag teilgenommen haben. Beim Besuch nachfolgender Bundesfeste durch die gastgebende Bruderschaft stellten Büttger Schützen immer wieder fest, dass sich manche Bruderschaft aus anderen Regionen gerne an diesen Tag im fernen Büttgen zurückerinnert.

   
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