2025 wird für die Kaarster Schützen in die Geschichte eingehen – mit vielen gut besuchten Veranstaltungen und einem rekordverdächtigen Engagement. Trotz anfänglicher Sorge um das Königsamt konnte Klaus Gehlen ein „königsloses Jahr“ verhindern. So lief die Jahreshauptversammlung ab.
Kaarst – Die Stimmung auf der Jahreshauptversammlung der Kaarster Schützen hätte viel besser nicht sein können. Das Jubiläumsjahr – gefeiert wurde das 575-jährige Bestehen – 2025 war ein Jahr mit sehr vielen sehr gut besuchten Veranstaltungen. Man hatte bewusst entschieden, mehr Geld als sonst in die Hand zu nehmen.
Einen Wermutstropfen hatte es bei den erfolgsverwöhnten Kaarster Schützen aber doch gegeben: Es hatte zunächst so ausgesehen, als gebe es keinen Bewerber für das Königsamt. Schließlich hatte General Klaus Gehlen den Vogel abgeschossen und der mit Abstand größten Bruderschaft in der Stadt ein königsloses Jahr erspart. Geschäftsführer Stefan Stamm sollte das Thema im Laufe der Versammlung ansprechen: „Die Entscheidung, Kaarster Schützenkönig zu werden, hat noch nie jemand bereut.“ An den Kosten solle es nicht scheitern.
Diesmal war ein Mann zu Gast, der sonst noch nie bei einer Versammlung der Kaarster Schützen mit dabei war: Der Landtagsabgeordnete Jörg Geerlings war nicht mit leeren Händen gekommen, er hatte etwas ganz Besonderes mitgebracht: Die Schützenplakette des Landes Nordrhein-Westfalen. Er lobte das Engagement der Schützen, verbindet mit ihnen Werte wie Tradition, Verantwortung und Heimatpflege. Und er fügte hinzu: „Die Kaarster Schützen sind eine tragende Säule des gesellschaftlichen Lebens in Kaarst, da wirken Herz und Verstand zusammen.“
„Mensch bleiben“, lautet das Motto von General Klaus Gehlen. Er wird in diesem Jahr gemeinsam als König mit seiner Königin Claudia und den Ministerpaaren Achim und Hedwig Winkler sowie Claus Schiffer und Andrea Breuer seinen Teil zu einem gelungenen Schützenfest beitragen. Das Königshaus verzichtet auf Blumen und Geschenke und sammelt für den Verein „Elterninitiative Kinderkrebsklinik“ in Düsseldorf. Er erzählte von einer unheilbar kranken 15-Jährigen, die noch einmal ans Meer wollte. Viel Zeit war nicht mehr. „Von der Reise zurückgekehrt, schlief das Mädchen für immer friedlich ein“, erklärte Gehlen. Dabei sei ihm ein Schauer über den Rücken gelaufen.
Präsident Claus Schiffer nannte die Organisation des Jubiläumsschützenfests „Teamarbeit im besten Sinne“. Auf den Straßen marschierten mehr als 1650 Schützen und Musiker, die einen eindrucksvollen Festzug gebildet haben. Für 2026 werde wieder so etwas wie Alltag einkehren, „aber kein langweiliger Alltag“. Ziel sei es, den Schwung aus dem Jubiläumsjahr ins neue Jahr mitzunehmen.
Die Bruderschaft hat aktuell 1313 Mitglieder – vor einem Jahr waren es noch 1280 gewesen. Das Durchschnittsalter ist von 47 auf 46 leicht gesunken. 396 Männer waren zur Versammlung gekommen. Schatzmeister Michal Ihle verteidigte die Entscheidung, sich das Jubiläumsjahr einiges kosten zu lassen. Die Bruderschaft sei finanziell gut aufgestellt.
Die Vorstandsneuwahlen dauerten nur wenige Minuten. Geschäftsführer Stefan Stamm wurde ebenso im Amt bestätigt wie Christian Guder als Schützenmeister, Niklas Fuhrmann als Jungschützenmeister und Marc Hebmüller als Zeugwart. Marcel Breuer und Christian Esser bleiben Edelknabenführer. Neu im Vorstand ist aber Mats Küff. Er wurde zum Nachfolger von Beisitzer Frank Fürwentsches gewählt, der für eine erneute Kandidatur nicht mehr zur Verfügung gestanden hatte. Peter Lambertz ist neuer Kassenprüfer, Guido Meywirth gibt dieses Amt auf.
Es gab auch Jubilarehrungen. Die besonders hohen Jubiläen erfolgen im Rahmen des Schützenfestes. Gerhard Angerer, Thomas Hebben, Christoph Herwig, Thomas Op‘t Eynde und Michael Schröder traten vor 50 Jahren in die Bruderschaft ein. „Sie haben sich an der Theke nicht geschont, was man ihnen aber nicht ansieht“, scherzte Stefan Stamm. Die Edelknaben feiern ihr 75-jähriges Bestehen. Sie bekommen jetzt neue Uniformen, die zum Teil mit Spenden finanziert werden. Die Lustigen Brüder gibt es seit 70 Jahren, die Treuen Freunde seit 60 Jahren. Die Reitergemeinschaft Kaarst wurde vor 40 Jahren gegründet und die Grünen Drachen sind seit 25 Jahren mit dabei.
Bürgermeister Christian Horn-Heinemann, frisch aus der Partnerstadt Madeleine zurückgekehrt, versprach den Schützen seine Unterstützung trotz der drohenden Haushaltssicherung: „Bei aller Notwendigkeit zum Sparen kann es nicht sein, dass unsere Schützenfeste nicht mehr so wie üblich stattfinden können.“

