Kaarst – In Kaarst gibt es 920 Pferde, die in 42 Betrieben gehalten werden und einen enormen Wirtschaftsfaktor darstellen. Es waren ebenso verblüffende wie überraschende Erkenntnisse, die Axel Hebmüller am Dienstagabend bei seinem Vortrag „Pferde als Wirtschaftsfaktor in Kaarst und im Rhein-Kreis Neuss“ dem Probus-Club im Haus Broicherdorf erläuterte. Hebmüller, Präsident des Kreis-Pferdesportverbandes Neuss, zweimaliger Hoher Reitersieger des Neusser Bürger-Schützen-Vereins, in diesem Jahr General der Kaarster Sankt-Sebastianus-Schützenbruderschaft und gemeinsam mit seiner Frau Betreiber eines Reitstalls und Chef eines Firmenimperiums für Ventile in Küchen und Waschräumen von Flugzeugen, war der richtige Fachmann für das Thema.
In einem Frontalvortrag legte er mittels Beamer beeindruckende Zahlen vor: Im Rhein-Kreis Neuss sind 7462 Pferde registriert, die in 615 Betrieben leben. Der aktuelle Umsatz wird auf circa 150 Millionen Euro geschätzt. Diese hohe Zahl entsteht durch Reit‑, Fahr- und Voltigierunterricht, therapeutisches Reiten, Pferdezucht, Einsatz der Pferde bei Großveranstaltungen, Pferdeleasing – das sehr auf dem Vormarsch ist – und den Handel: Hier zählt ganz altmodisch immer noch der Handschlag, so Hebmüller. Die Unterbringung eines Tieres in einer Pferdepension kann mit 600 Euro monatlich zu Buche schlagen. Handwerke und Dienstleistungen vor Ort wie Hufschmiede, Tierärzte und Fachgeschäfte profitieren ebenfalls vom Wirtschaftsfaktor Pferd. Hinzu kommen Versicherungen, Steuerberater, Rechtsanwälte und vieles mehr für Unterhaltung eines Pferdebetriebes. Ein Züchter muss am Anfang knapp 10.000 Euro in ein neues Tier investieren und der Unterhalt eines eigenen Pferdes kostet 1000 bis 1500 Euro im Monat.
Der Pferdesport sorgt besonders bei Turnierveranstaltungen etwa im Reitstall Bierewitz, auf Hebmüllers Mankartzhof oder auf dem Klitzenhof für besonderen gesellschaftlichen Schwung. Aber auch an einem „normalen“ Tag halten sich laut Hebmüller bis zu 50 Pferdeliebhaber auf seinem Hof mit 25 Pferden auf. Er verwies stolz auf die Erfolge des Kreis-Pferdesportverbands mit Siegen bei Olympiaden sowie Europa- und Weltmeisterschaften. Der Verband setzt sich auch für die Protektion des Nachwuchses ein: Bei Turnieren können die Teilnehmer durch Punktewertung Fördergelder bekommen.
Fazit von Axel Hebmüller: „Der Pferdesport im Rhein-Kreis Neuss ist ein starker und wachsender Wirtschafts- und Gesellschaftsfaktor“. Die anschließende Fragerunde stellte klar: Das Tierwohl steht bei Turnieren an erster Stelle, in Zusammenarbeit mit der Kaarster Politik sollen örtliche Reitwege in Ordnung gebracht werden und alle Reiter müssen mit entsprechender Plakette unterwegs sein.

