Von „Glaubensfeststimmung“ sprach ein aufgeräumter Oberpfarrer Andreas Süß, der zufrieden auf „unsere Quirinus-Oktav“ zurückblickte: „Was wir in diesen Tagen rund um unser Quirinusmünster erleben durften, war mehr als eine Festwoche – es war ein lebendiges Zeugnis unseres Glaubens und unserer Gemeinschaft.“ Süß setzt fort, was sein Vorgänger Msgr. Guido Assmann vor Jahren ins Leben rief: mit einer Quirinus-Oktav aktiv an die lange Pilgertradition rund um St. Quirin zu erinnern.
Dabei holt Süß seine Angebote und damit die Gläubigen verstärkt auf die Straße. Beispiel: Klang das Quirinusfest vor seiner Zeit als Oberpfarrer mit einem internen Beisammensein im Kardinal-Frings-Haus aus, gestaltet er nun Jahr für Jahr mehr ein „Glaubensfest“ seiner Vorstellung. In diesem Jahr stand Schützenoberst Bernd Herten mit seiner Familie am Würstchengrill, für flotte Marschmusik sorgten die Nettesheimer Blechbläser unter der Leitung von Markus Quod.
Das Quirinusfest wird von großen Teilen der Stadtgesellschaft getragen. Dafür stehen Bürgermeister Reiner Breuer, der Landtagsabgeordnete Jörg Geerlings, Schützenkönig Franz Josef Odendahl mit Familie oder auch Schützenpräsident Martin Flecken, die teilnahmen und Augenzeugen waren, als die Neusser ihr Gelübde von 1474/75 erfüllten: Mit Christoph Napp-Saarbourg und Axel Stucke entzündeten die Spitzen der Vereinigung der Heimatfreunde zu Beginn des Pontifikalamtes zwei Kerzen am Quirinus-Schrein. So hatten es die Neusser gelobt, als Karl der Kühne die Stadt vor mehr als 550 Jahren belagerte und letztlich erfolglos abziehen musste. Für Süß stehen „wir in einer langen Kette von Glaubenden, die in Not und Dankbarkeit auf Gottes Beistand vertraut haben“ – und auf die Fürsprache des heiligen Quirinus.
Die persönliche Beziehung eines jeden Einzelnen zu Jesus Christus war dann auch das Thema, dem Kardinal Woelki in seiner in weiten Teilen frei formulierten Predigt nachging. Jesus Christus sei das Licht der Welt, von dem sich Quirinus habe anstecken lassen. Er sei unser Fürsprecher, gebe uns Kraft und Orientierung: „Er war bereit, alles für Gott zu geben – sein Leben.“ Jesus sei der Weg zum Vater und so wünsche er sich, so sagte Woelki, eine neue Jesus-Frömmigkeit, in der die Menschen ihre Leben auf den Prüfstand stellten und bereit seien, sich am Evangelium, an der Bergpredigt auszurichten. Gerade heute sei es schwierig zu sehen, wohin die Welt treibt. Jesus sei gegangen, um den Menschen eine Wohnung zu bereiten: „Er ist der Weg. Er ist der Grund, ohne Angst zu sein – wie Quirin!“
An der Münsterorgel saß erstmals bei einer Messe der neue Münsterkantor Stefan Starnberg, unter dessen Leitung der Münsterchor sowie die Bläsergruppe mit Alexander Valerstein an der Spitze musizierten.