Büderich – Es ist dieser eine besondere, fast magische Moment, in dem aus Susanne, kurz Susi genannt, Schäfer die strahlende Königin des größten Meerbuscher Stadtteils wird. Es ist der Moment, in dem erstmals das glitzernde Diadem auf ihren dunklen Haaren aufblitzt, während sich ein Lächeln breitmacht. Es beginnt auf ihren Lippen und zieht sich dann über das ganze Gesicht. Die rechte Hand erhebt sich zum königlichen Winken – immer aus dem Handgelenk – bis auf Kopfhöhe. Hinter ihr der Hofstaat, das riesige Büdericher Wappen mit dem reitenden Märtyrer Mauritius. Musik erklingt, das vollbesetzte Festzelt hat sich von seinen Plätzen erhoben und spendet tosenden Applaus.
Wer diesen Augenblick einmal erlebt hat, der wird ihn sein Leben lang nicht mehr vergessen. So berichten es übereinstimmend alle früheren Königinnen der St.-Sebastianus-Bruderschaft von 1567. Schon seit dem Wiederbeginn des Schützenfestes legen die Börker Schützen an einem Tag ganz besonderen Wert auf die Frau an der Seite ihres Königs – der Höhepunkt des mehrtägigen Festes .
Daran erinnert sich jedenfalls Bert Bender. Der Kapitänleutnant der Marinekompanie ist wohl der einzige Schütze, der über Pfingsten im Festzelt war, der seit 1949 alle Schützenfeste miterlebt hat. Damals war der heute 90-Jährige allerdings noch als Edelknabe eher staunender Zaungast des Geschehens. Diesmal feierte er zusammen mit seinem Bordkameraden Hans Fischer vor allem die Wiederbegründung der Marine vor 70 Jahren. Seither sind die beiden auch offiziell Mitglieder der Bruderschaft.
Damals wie heute ist es aber stets der Bürgermeister, der nicht nur die Krönung vornimmt, sondern auch die Laudatio auf die Königin hält. Und Christian Bommers sang wortwörtlich ein Loblied auf Susi Schäfer, die mit ihrem Konni I. schon im sprichwörtlichen Sandkasten gespielt hatte. Die technischen Fähigkeiten habe sie sich bewahrt und sei ihrem Ehemann in diesem Fach auch heute noch „haushoch überlegen“.
Zusammen mit der Festgemeinde, darunter auch große Abordnungen der benachbarten Schützenvereine und ‑bruderschaften, rätselte Bommers, ob sie ihm nicht manchmal zeige, „wo der Hammer hängt“.
Unabhängig davon scheint der Haussegen bei Familie Schäfer aber nicht schief zu hängen, denn Konni I. gab seiner Königin nach der Krönung als Erstes einen Kuss. Und dann durfte er sich vor seiner Rede auch noch einen Musikwunsch vom beeindruckenden Büdericher Musikblock, bestehend aus dem Bundesschützenfanfarencorps 1968, dem Bundestambourcorps Rheintreue und der Böhler Werkskapelle, erfüllen: Die Werkskapelle intonierte den „Olympic Spirit“.
Bei dieser Gelegenheit blitzte dann auch das Königssilber auf, das diesmal die alte Meerer Klosterkirche darstellt. Schließlich kommt das Königshaus aus der Gesellschaft Hildegundis von Meer, die an diesem Abend zugleich ihren traditionellen Erdbeerbowle-Montag feierte.
Konni I. bewies dann, dass auch die jungen Generationen ganz genau wissen, wie ein Schützenherz schlägt. Der 39-Jährige nahm die Anwesenden auf eine gedankliche Reise mit, auf deren emotionaler Route er vor allem die geliebten Menschen einband, die diesen Abend nicht mehr erleben konnten. Aber, da zeigte sich der Monarch sicher: „Sie sind heute hier, mitten unter uns, wenn wir uns an sie erinnern und von ihnen erzählen.“
Da konnte auch Präses Michael Berning nur beipflichten, der sich weder mit den gesanglichen Qualitäten des Stadtoberhauptes noch mit der ergreifenden Rede des Königs messen wollte und deshalb einfach nur an die Verbundenheit des Königspaares mit der Pfarrgemeinde erinnerte. Schon ganz zu Beginn seiner Zeit in Büderich machte Berning Bekanntschaft mit Susi Schäfer – und erlebte sie als junge Frau bereits bei der Stiftung Büderich als engagiert und kompetent. Und auch als Paar sind die neuen Monarchen der Gemeinde verbunden: Sie haben sich vor genau 20 Jahren bei einer kirchlichen Ferienfreizeit als Paar gefunden.

