LUDGER BATEN // NGZ // 05.05.2026

Neus­ser fei­ern Qui­ri­nus­fest mit Kar­di­nal und Prozession
Schluss- und Höhe­punkt der Qui­ri­nus-Oktav war am Sonn­tag­abend die Pro­zes­sion, bei der jeweils drei Huber­tus- und Schei­ben­schüt­zen den Schrein mit den Gebei­nen des Stadt­pa­trons durch die Stra­ßen tru­gen. Foto: St. Büntig
Mit Erz­bi­schof Woelki stan­den Kreis­de­chant Hans-Gün­ther Korr (r.) und Ober­pfar­rer Andreas Süß am Altar von St. Qui­rin. Foto: St. Büntig

Neuss – Mess­die­ner taten es in die­sem Jahr mit­tel­al­ter­li­chen Pil­gern gleich: Sie über­nach­te­ten auf der Empore der Müns­ter­kir­che. Was sich für die Mäd­chen und Jun­gen heute wie ein Aben­teuer anfühlt, reiht sich in eine seit Jahr­hun­der­ten gepflegte Tra­di­tion ein. Neuss gilt seit 1050 als Zen­trum der Qui­ri­nus-Ver­eh­rung. Die Reli­quien des Hei­li­gen wer­den in einem Schrein auf­be­wahrt, der im Altar­raum der Müns­ter­kir­che steht. Ihren Stadt- und Pfarr­pa­tron fei­ern die Neus­ser all­jähr­lich mit einer Wall­fahrts-Oktav, die mit ihren Ange­bo­ten daran erin­nert, dass einst Men­schen in gro­ßer Zahl nach Neuss pil­ger­ten, um den hei­li­gen Qui­ri­nus um Für­spra­che zu bitten.

Das Qui­ri­nus­fest mit Messe und anschlie­ßen­der Schrein­pro­zes­sion steht am Ende der Fest­wo­che. So auch am Sonn­tag. Obwohl für zusätz­li­che Bestuh­lung gesorgt war, reich­ten die Sitz­plätze nicht, sodass viele Gläu­bige ste­hend am Pon­ti­fi­kal­amt teil­nah­men, das der Köl­ner Erz­bi­schof Rai­ner Maria Kar­di­nal Woelki zele­brierte. Mehr als 600 Gläu­bige folg­ten anschlie­ßend nach Anga­ben der Orga­ni­sa­to­ren in der Pro­zes­sion über Müns­ter­platz und Freit­hof betend und sin­gend dem Schrein. Nach dem Eucha­ris­ti­schen Segen blie­ben die Besu­cher vor der Kir­che zusam­men, such­ten das Gespräch mit Kar­di­nal Woelki, der den Abend – Gesprä­che, Brat­wurst und Alt inklu­sive – sicht­lich genoss.

Von „Glau­bens­fest­stim­mung“ sprach ein auf­ge­räum­ter Ober­pfar­rer Andreas Süß, der zufrie­den auf „unsere Qui­ri­nus-Oktav“ zurück­blickte: „Was wir in die­sen Tagen rund um unser Qui­ri­nus­müns­ter erle­ben durf­ten, war mehr als eine Fest­wo­che – es war ein leben­di­ges Zeug­nis unse­res Glau­bens und unse­rer Gemein­schaft.“ Süß setzt fort, was sein Vor­gän­ger Msgr. Guido Ass­mann vor Jah­ren ins Leben rief: mit einer Qui­ri­nus-Oktav aktiv an die lange Pil­ger­tra­di­tion rund um St. Qui­rin zu erinnern.

Dabei holt Süß seine Ange­bote und damit die Gläu­bi­gen ver­stärkt auf die Straße. Bei­spiel: Klang das Qui­ri­nus­fest vor sei­ner Zeit als Ober­pfar­rer mit einem inter­nen Bei­sam­men­sein im Kar­di­nal-Frings-Haus aus, gestal­tet er nun Jahr für Jahr mehr ein „Glau­bens­fest“ sei­ner Vor­stel­lung. In die­sem Jahr stand Schüt­zen­oberst Bernd Her­ten mit sei­ner Fami­lie am Würst­chen­grill, für flotte Marsch­mu­sik sorg­ten die Net­tes­hei­mer Blech­blä­ser unter der Lei­tung von Mar­kus Quod.

Das Qui­ri­nus­fest wird von gro­ßen Tei­len der Stadt­ge­sell­schaft getra­gen. Dafür ste­hen Bür­ger­meis­ter Rei­ner Breuer, der Land­tags­ab­ge­ord­nete Jörg Geer­lings, Schüt­zen­kö­nig Franz Josef Oden­dahl mit Fami­lie oder auch Schüt­zen­prä­si­dent Mar­tin Fle­cken, die teil­nah­men und Augen­zeu­gen waren, als die Neus­ser ihr Gelübde von 1474/75 erfüll­ten: Mit Chris­toph Napp-Saar­bourg und Axel Stu­cke ent­zün­de­ten die Spit­zen der Ver­ei­ni­gung der Hei­mat­freunde zu Beginn des Pon­ti­fi­kal­am­tes zwei Ker­zen am Qui­ri­nus-Schrein. So hat­ten es die Neus­ser gelobt, als Karl der Kühne die Stadt vor mehr als 550 Jah­ren bela­gerte und letzt­lich erfolg­los abzie­hen musste. Für Süß ste­hen „wir in einer lan­gen Kette von Glau­ben­den, die in Not und Dank­bar­keit auf Got­tes Bei­stand ver­traut haben“ – und auf die Für­spra­che des hei­li­gen Quirinus.

Die per­sön­li­che Bezie­hung eines jeden Ein­zel­nen zu Jesus Chris­tus war dann auch das Thema, dem Kar­di­nal Woelki in sei­ner in wei­ten Tei­len frei for­mu­lier­ten Pre­digt nach­ging. Jesus Chris­tus sei das Licht der Welt, von dem sich Qui­ri­nus habe anste­cken las­sen. Er sei unser Für­spre­cher, gebe uns Kraft und Ori­en­tie­rung: „Er war bereit, alles für Gott zu geben – sein Leben.“ Jesus sei der Weg zum Vater und so wün­sche er sich, so sagte Woelki, eine neue Jesus-Fröm­mig­keit, in der die Men­schen ihre Leben auf den Prüf­stand stell­ten und bereit seien, sich am Evan­ge­lium, an der Berg­pre­digt aus­zu­rich­ten. Gerade heute sei es schwie­rig zu sehen, wohin die Welt treibt. Jesus sei gegan­gen, um den Men­schen eine Woh­nung zu berei­ten: „Er ist der Weg. Er ist der Grund, ohne Angst zu sein – wie Quirin!“

An der Müns­ter­or­gel saß erst­mals bei einer Messe der neue Müns­ter­kan­tor Ste­fan Starn­berg, unter des­sen Lei­tung der Müns­ter­chor sowie die Blä­ser­gruppe mit Alex­an­der Valer­stein an der Spitze musizierten.

 

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Ihr Bezirks­ver­band Neuss

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