Nordstadt – Sehr nervös wirkt er nicht, der neue Oberst der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Neuss-Furth . Und das, obwohl Wilfried Moosbauer mit seiner Wahl in große Fußstapfen getreten ist. Zuvor hatte nämlich Heiner Ringes 26 Jahre lang das Amt des Regimentschefs in der Nordstadt inne.
Passend zur großen, kräftigen Statur bringt Moosbauer eine große Portion Selbstvertrauen und Gelassenheit mit: „Die Aufgaben als Oberst sind nur teilweise etwas Neues für mich“, erklärt er. „Ich kenne die Abläufe ja schon seit vielen Jahren, war lange Major. Und außerdem ist Heiner immer noch im Verein und unterstützt uns.“ Dafür ist Moosbauer ihm sehr dankbar.
Seine Frau brachte ihn zum Verein
Zum Neusser Schützenwesen kam Moosbauer über Umwege. Er wuchs als eines von neun Geschwistern auf einem Bauernhof im Landkreis Freyung-Grafenau in Niederbayern auf. Von 1979 bis 1982 absolvierte er eine Lehre zum Betriebsschlosser und lernte früh, komplexe Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Einige Jahre später wurde Moosbauer Montageleiter und kam als solcher 1987 nach Neuss. Hier lernte er seine spätere Ehefrau Gaby kennen. Über sie kam Moosbauer mit den Schützen in Kontakt. „Sie ist hier aufgewachsen, hat mich Freunden vorgestellt und so weiter. Ich verstand, dass es hier Usus ist, als junger Mann Schütze zu werden“, erklärt der Niederbayer, fügt aber auch an: „Es war am Anfang schon etwas merkwürdig.“
Aber es dauerte nicht lange, bis er die Gemeinschaft und Mitmenschlichkeit der Schützen lieb gewann. Mitte 1999 wurde er Hubertusschütze und somit zugleich Mitglied der Further Schützenbruderschaft. Im Jahr 2000 zog er das erste Mal in Uniform zur Parade auf.
Schützenkönig und Major
2004 führte er als Leutnant erstmalig den Zug an. Mit großer Freude denkt der 61-Jährige an diese Zeit zurück: „Es waren tolle, herzliche Zeiten.“ Was ihm damals wie heute so am Verein gefällt: „Wir begegnen den Menschen auf Augenhöhe. So funktioniert Schützenschaft. Wir helfen den Schwachen und bremsen notfalls auch mal die Starken ein.“
Gespürt hat Moosbauer diese „tiefe Herzlichkeit“ auch als Schützenkönig des Jahres 2008 / 2009 auf der Furth. „Wir wurden total getragen von allen Mitmenschen und dem Verein“, schwärmt er. „Es war einfach Wahnsinn.“ Als seine Regentschaft endete, kam es kurz zu Glückstränen, erinnert er sich.
Besonders stolz erzählt Moosbauer auch von seiner Zeit als Major bei den Hubertusschützen von 2009 bis 2024: „Es gab nicht ein schräges Wort aus den eigenen Reihen.“
Der Mann mit den großen Pferden
Wilfried Moosbauer hat neben dem Verein aber noch eine große Leidenschaft: Pferde. Die Liebe zu diesen Tieren entstand schon in der Jugend. Neu entflammt wurde sie, als Moosbauer 2007 beim Sattelfest des Further Artilleriecorps wieder auf dem Rücken eines Pferdes saß.
Als Moosbauer acht Jahre später – auch aus gesundheitlichen Gründen – seine 1991 gegründete Firma veräußerte und nach einer neuen Lebensaufgabe suchte, entdeckte seine Frau Shire Horses, die größte Pferderasse der Welt. „Wir hatten uns vorher schon andere Pferde angeschaut, aber die waren zu schmal für einen kräftigen Herren“, schildert Moosbauer die Suche.
Aus der Liebe zu den „sanften Kaltblütern“ ergab sich bald das Dasein als Pferdezüchter – erst in Neuss-Weckhoven auf Gut Neuhöfgen, inzwischen in Viersen. Heute kümmert sich das Ehepaar um viele Pensionstiere und hat zwölf eigene – eines davon ist für die mittlerweile drei Enkelsöhne gedacht.
Beim Schützenfest der Bruderschaft Ende Mai wird der Pferdeliebhaber aber nicht auf dem Rücken eines Shire Horses sitzen – wenngleich er sie „den Wohlfühlstuhl für Reiter“ nennt. Wie seinem Vorgänger ist ihm das Tierwohl wichtig. Daher würde besonders auf die Sicherheit der Gäste, Vereinsmitglieder und Tiere geachtet und auf trainierte Pferde im Umzug gesetzt.
Freude über die neue Aufgabe
Wo er zu Hause ist, beantwortet der Niederbayer eindeutig: „Unser Lebensmittelpunkt ist die Furth.“ Schließlich seien Freunde, die Familie und der Verein hier. „Es ist wirklich bemerkenswert, was das Umfeld einem geben kann“, sagt der Oberst auch in Richtung der Neusser sowie seines Vereins und Komitees. Besonders aber dankt er seiner Frau Gaby: „Sie hat mich immer unterstützt.“ Auch als er als Oberst kandidierte, besprach Moosbauer das vorher mit seiner Frau.
Jetzt freut sich der frisch gewählte Höchstchargierte aber erst mal auf die kommenden Termine. Dabei sei das Miteinander am Ende wichtiger als Orden oder Uniform, sagt er. Mit besonderer Freude blickt der 61-Jährige dabei auf den Oberstehrenabend am 9. Mai, an dem er erstmals den Großen Zapfenstreich kommandieren und Michael Wilbertz zu seinem Adjutanten ernennen wird. Zuvor musste sich dieser einem besonderen Test stellen und auf einem von Moosbauers Pferden ausreiten. „Er kam im Sattel zurück“, sagt der Oberst – und hatte bestanden. Denn: „Beim Reiten wie im Verein braucht es Coolness und starke Nerven“.



