Büttgen – Die Liste der denkmalgeschützten Gebäude auf Kaarster Stadtgebiet umfasst insgesamt 50 Baudenkmäler – 26 davon sind „echte“ Gebäude, der Rest Wegekreuze, Ehrenmäler oder Bildstöcke. Allein sieben dieser denkmalgeschützten Gebäude stehen in Büttgen. Und in dem Ortsteil gibt es nun eine Première: Denn als erstes denkmalgeschütztes Gebäude in Kaarst ist auf dem Satteldach der Pampusschule eine Photovoltaik-Anlage installiert worden. 24 Solarmodule wurden Anfang Dezember binnen drei Tagen installiert und sollen ab Januar dafür sorgen, dass die Pampusschule zu 74 Prozent autark ist.
Das erklären Hans-Peter Kallen und Stefan Reinelt von der Sankt-Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen im Gespräch mit unserer Redaktion. Im Jahr 2003 hat die Büttgener Schützenbruderschaft die Trägerschaft für die Pampusschule übernommen. „Wir sorgen dafür, dass die Schule in einem guten Zustand bleibt“, erklärt Kallen. Die erste Anfrage für eine PV-Anlage stellte die Bruderschaft bereits im Jahr 2020, damals hatte die zuständige Behörde eine Installation allerdings verboten. Im Februar dieses Jahres wurde die Bruderschaft dann von einem städtischen Mitarbeiter gefragt, wie es denn mit einer PV-Anlage aussehe. Denn das Denkmalschutzgesetz NRW erlaubt seit 2022, auf Baudenkmälern eine PV-Anlage errichten zu können. In Paragraf 9 „Erlaubnispflichten bei Baudenkmälern“ heißt es dort: „Die Erlaubnis (…) ist zu erteilen, wenn Belange des Denkmalschutzes nicht entgegenstehen oder ein überwiegendes öffentliches Interesse die Maßnahme verlangt. Bei der Entscheidung sind insbesondere auch die Belange des Wohnungsbaus, des Klimas, des Einsatzes erneuerbarer Energien sowie der Barrierefreiheit angemessen zu berücksichtigen.“ Heißt im Klartext: Klimaschutz geht vor Denkmalschutz.
Hans-Peter Kallen holte sich „Grünes Licht“ von der Bruderschaft und stellte erneut einen Antrag, Ende August erteilte die Stadt die Freigabe, im Oktober beschloss der Stadtrat die Installation der Module. „Es ist das erste denkmalgeschützte Gebäude der Stadt, da sind wir ein bisschen stolz drauf“, erklärt Kallen, der dankbar für die Unterstützung der Stadt Kaarst ist. Die 1902 errichtete Pampusschule ist das älteste Schulgebäude der Stadt Kaarst und steht seit 1984 in der Denkmalliste. 1967 verließ die katholische Volksschule das Gebäude und zog in die Schule an der Hubertusstraße um. Von 2000 bis 2002 wurde die Pampusschule von der Stadt für rund 846.000 Euro saniert, dann übernahm die St.-Sebastianus-Bruderschaft Büttgen die Trägerschaft. Die Nutzfläche des Gebäudes beträgt 1135 Quadratmeter, von denen 328 für die Schützen zur Verfügung stehen. Denn: Auch die VHS (252 Quadratmeter) und die Katholische Öffentliche Bücherei (183 Quadratmeter) sind seit dem Jahr 1981 fester Bestandteil der Pampusschule.
Die Bruderschaft vermietet ihre Räumlichkeiten am Wochenende für diverse Veranstaltungen wie Geburtstage, Firmenevents, Vereinsfeiern, Hochzeiten, Taufen oder Kommunion beziehungsweise Konfirmation, die Vermietungsquote liegt bei 80 Prozent. „Wir schauen, dass wir nur eine Veranstaltung pro Wochenende zulassen“, erklärt Stefan Reinelt, Pressewart der Bruderschaft. Unter der Woche liegt die Quote bei rund 45 Prozent.
Die Mieteinnahmen steckt die Bruderschaft sich allerdings nicht in die eigene Tasche, sondern reinvestiert diese in die Schule selbst. So wurden nach der Corona-Pandemie verschiedene Sanierungen vorgenommen, unter anderem neue Fenster im Dachboden installiert, der Boden im Saal erneuert, Malerarbeiten in der gesamten Schule durchgeführt und eine neue Lautsprecheranlage und Vitrinen beschafft. Auch die Photovoltaikanlage wurde nun von diesen Einnahmen finanziert. „Die Kosten dafür hat die Bruderschaft getragen. Das ist nur dank des ehrenamtlichen Engagements unserer Schützen möglich“, erklärt Kallen.

