Norf – Zum ersten Mal in der 126-jährigen Geschichte der Norfer St.-Andreas-Schützenbruderschaft hat mit Helga Müller vom Tambourcorps „Germania“ Norf eine Frau versucht, Schützenkönigin zu werden. Doch sie musste sich bei der Frühkirmes am Wochenende der erdrückenden Übermacht von gleich sechs Königsbewerbern aus dem Scheibenschützenzug „Us Spass un Dolleree“ geschlagen geben. „Die wollten das unbedingt“, sagt Brudermeister Dominik Sleziona über den neuen Königszug, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert und das Dorf am 12. September aus diesem Anlass zu einem Konzert in das dann schon für das Schützenfest aufgestellte Festzelt einladen wird.
Wie „heiß“ die Scheibenschützen auf den Titel waren, den am Ende ihr Zugführer und Oberleutnant Axel Plümer errang, zeigte sich beim Maibaumsetzen kurz vor der Kirmes, als noch einmal zwei Königsbewerber ihren Hut in den Ring warfen. So einen Rummel hatte es an der Fahnenstange ewig nicht gegeben, sodass der Vorstand nun vor der Frage steht, ob die Einführung einer verbindlichen Meldefrist nötig werden könnte. Denn auch für die Bewerber sei es besser, „organisiert ins Königsjahr zu starten“, sagt Sleziona, also mit Planungssicherheit.
Aber diese Frage steht vorerst hinter anderen Neuerungen. Nachdem sich die Bruderschaft vor genau einem Jahr für Frauen geöffnet hatte, wurde der zum Auftakt der Frühkirmes einberufenen Generalversammlung jetzt das neue Konzept für das Schützenfest im September vorgestellt. Größte Neuerung: Die Festtage beginnen – einschließlich Fassanstich und Böllern – schon am Freitag und damit einen Tag früher als bisher und enden auch früher, nämlich am Montag.
Arbeitnehmer- und familienfreundlicher soll das Fest werden, sagt Sleziona. Und weil alle aktiv Beteiligten nur noch einen Tag Urlaub nehmen müssen, hatte der Vorstand in diesem Jahr auch überhaupt kein Problem damit, ausreichend Musiker zu verpflichten.
Durch eine Satzungsänderung regelte die Generalversammlung zudem das Thema „Gründung neuer Korps“. Mindestens zehn Aktive sind dazu nötig, und die Mitgliederversammlung muss mit einfacher Mehrheit zustimmen. Akuten Gründungsbedarf gebe es nicht, sagt der Brudermeister, aber der könnte sich ja ergeben, wenn die Maßnahmen zur Neugewinnung von Mitgliedern richtig greifen. Dazu zählt, dass die Bruderschaft zehn Gruppenleiter hat ausbilden lassen, um die Jugendkorps zu stärken. Und eine AG Mitgliederwerbung wurde etabliert.
Dirk Judel wurde von der Versammlung als Schießmeister verabschiedet und Christian Fieck zu seinem Nachfolger bestellt, der gleich das XXL-Königsvogelschießen leiten musste. Der Titel ging an den im Ort als Zahnarzt praktizierenden Axel Plümer, der damit auch eine Familie überraschte. Ehefrau Sarah musste zum abendlichen Festball regelrecht eingeflogen werden.

