Nordstadt – Es war ein besonderer Tag für die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Neuss-Furth. Am Wochenende stellte sie sich Interessierten im Alevitischen Gemeindezentrum an der Kaarster Straße vor.
Jeder Besucher sollte sich dabei eine eigene Meinung bilden – ein Anliegen der Schützen war es jedoch, die Themen Jugendarbeit und Nachwuchsgewinnung noch entschiedener anzugehen. Wer noch nie etwas mit den Schützen zu tun hatte, der bildete die entscheidende Zielgruppe. „Losgelöst vom reinen Schützenwesen wollen wir heute zeigen, wofür wir auch stehen“, betonte Thomas Scharf. Er ist Geschäftsführer der Bruderschaft und verweist auf derzeit 1000 Mitglieder. Zusammen mit Schützenmitglied Herbert Goeres schulterte er die Vorbereitungen für diesen Tag. Parallel kümmerten sie sich um die Organisation des Kinderschützenfestes am Pfingstsamstag, 23. Mai.
Schützenmitglied Herbert Goeres ergänzt und präzisiert: „Wir wollen junge Familien animieren, uns kennenzulernen. Schließlich gibt es in Furth viele Zugezogene.“ So zum Beispiel Muharrem Sahin, er ist Vorsitzender der Alevitischen Glaubensgemeinschaft in Neuss. „Die Schützen kommen unseren Überzeugungen sehr nahe. Auch wir tolerieren alle, die zu uns kommen“, sagt er.
Schon die Kleinsten können dabei sein
Ein weiteres Anliegen der Veranstaltung: den Besuchern einen Einblick in das Schützenwesen geben, der sonst so nicht möglich ist. „Sonst stehen die Further bei den Umzügen nur am Straßenrand. Heute können sie einmal mittendrin im Schützengeschehen sein“, insistiert Thomas Scharf. Hier finden sie Gemeinschaft, soziale Bindung, Gespräche und können Hilfe in Anspruch nehmen.
Die Schützen wollen möglichst jedem ermöglichen, dabei sein zu können. Hier können die Jugendlichen unter sich sein – und in den Regimentern seien Mädchen gerne gesehen und können teilnehmen. „Sobald die Kleinen mit drei oder vier Jahren aus den Wickeln sind, können sie bei uns mitmachen“, sagt Herbert Goeres. Attraktiv seien dann bereits die Edelknaben mit ihren Gruppenstunden, Ausflügen und sogar mit einem Kegelturnier. Religiöse und weltanschauliche Barrieren gebe es in der Bruderschaft nicht, betonen die Verantwortlichen.
Das war an dem Kennenlerntag für Kinder geboten
In der geistlichen Halle war ein Schützenstand mit einer Zielscheibe aufgestellt. „Ich habe eine zehn getroffen“, jubelte ein Kind und gab das Luftdruckgewehr freudestrahlend zurück. An zehn im Raum verteilten Ständen wurde über Spaß und Spiel bei den Schützen informiert. Das Tambourscorps sprach mit seinen blitzenden Instrumenten angehende Musiker an, das Pfeilewerfen sorgte ebenso für Spaß wie das Kamelrennen. Außerdem gab es zum Beispiel Bastelstände oder Dosenwerfen.
Wer von den Kleinen malen wollte, fand dafür auch einen Tisch. Das Grenadiercorps mit seinen aktuell 200 Aktiven stellte seine schneidigen Uniformen aus, die ebenso Aufmerksamkeit erregten. „Schützen sind anders“, so war überall zu hören, und die Vielfalt ihrer Gruppen sprach dabei eine eindeutige Sprache. Tobias Kinna Vorsitzender bei den Edelknaben sagte über das Hauptanliegen des Tages: „Alle können mitmachen. Wir wollen Kinder und Jugendliche mit ins Boot nehmen.“ Sie dürften freilich keine Berührungsängste gegenüber dem Schützenwesen haben.
Und genau an dieser Stelle liege immer noch das Problem in vielen Teilen der Bevölkerung, die sich von längst widerlegten Vorurteilen leiten lasse, kritisieren die Anwesenden. Axel Hennesen, Fahnenhauptmann der Schützenlust, hält kräftig dagegen. „Wir sind und bleiben Teil des gesellschaftlichen Lebens auf der Neusser Furth“, so ist bei den Scheibenschützen zu hören. Ihr Brauchtum, ihr Miteinander und ihre Gemeinschaft verbinde die Generationen.

